Gästebucheintrag
der richtige Vater lässt sich nicht aus dem Gedächtnis löschen
eingetragen am 26.10.2009 - 23:00
von josef

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Hallo Josef

Mein Vater war für mich 20jahre verschollen. Dann stand eine Todesanzeige in der Zeitung vom Schwiegervater meines Vaters. Adresse nur Initialen und eine Gemeinde im TG. Kathrin und ich beschlossen, an die Beerdigung in Wald zu gehen, damit wir den Vater endlich wieder sähen. Bis dahin wussten wir nicht einmal, ob er, 73 Jahre alt, überhaupt noch lebt und wie. Es gab dann eine kurze Ansprache am Grab mit Urnenbeisetzung, und Kathrin und ich wollten nicht dabei sein, weil wir ja den Toten nicht kannten und nur den Vater sehen wollten. ...

Aber dem Vater geht es gut, erst wollte er nichts mit uns zu tun haben, blickte durch uns hindurch. Er ist ja auch ein geächteter
wie wir. Ging 1974 Konkurs, von da an, Pleiten, Pech und Pannen. Dass er den Staat nicht immer so ernst genommen hat, mögen wir, die wir den Staat kennengelernt haben, verzeihen, ja, vielleicht sogar ihm dazu gratulieren.

Aber eben, wie der Leibacher; plötzlich bist du immer das Arschloch, egal was du machst. So meinte der Vater wohl, er bekäme jetzt von uns Töchtern auch noch Schelte. Aber, er war zu uns immer ein guter Vater, bis er ging. Daran wollen wir ihn erinnern, dass er nicht nur alles Scheisse gebaut hat und er von uns geliebt wird, weil er viel Zeit und Liebe damals in uns Kinder gesteckt hat. Das tut ihm gut. Wir haben uns umarmt; kannst du dir vorstellen, wie heftig, ein Umarmen, das 20 Jahre nachholt!!!!

Nun smslen wir ein bisschen. Dann wollen wir uns treffen und austauschen und Fotos zeigen usw. Und uns hoffentlich bis an den Rest eines jeden unseres Lebens nicht mehr aus den Augen verlieren. Weisst du, wie gut ihm das tat, zu hören, dass er nicht nur ein Arschloch ist sondern auch Gutes vollbracht hat? Also, bleibe zurückhaltend und unter Gottes Schutz.
Gruss Conni


gedruckt am 26.09.2018 - 14:18
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