Gedicht über Schaffhauser Justiz von Johann Conrad Peyer

Gedicht über die SH-Justiz ...

Anno 1736 wurde Junker Ratsherr Peyer vom Rat zum Urteilsprecher, d. h. zum Mitglied des Stadtgerichts, dem die Zivilgerichtsbarkeit erster Instanz unterstellt war, gewählt. Es war keine glänzende Wahl, denn sie erfolgte genau mit dem absoluten Mehr, was darauf hindeutet, daß sich der Einzelgänger und Satiriker bei den gnädigen Herren keiner besonderen Gunst erfreute. 1738 wurde er vom hochentrüsteten Kleinen Rate wegen eines Spottgedichtes mit 80 Talern gebüßt. Eine dreitägige Gefängnisstrafe...

... Gedicht, das Peyer anlässlich der 9. Ehegerichtssitzung an seinen Freund Johann Melchior Hurter überbrachte:

Mein Freund, wie heißt der Staat wo Redlichkeit verscheuchet,
Und nur der Böswicht gilt, der vor den Großen schleichet?

Wo man die Kunst versteht durch schlaues Prozessieren,
Die Diebe zu befreyen und Huren zu laviren;

Und wo im Gegentheil der Mann von Biderkeit
Die Rach des Richters trifft für seine Offenheit?

Wo man das Urtheil nur zu Gunst der Vettern spricht;
Und oft der dümmste Kopf hoch sitzet im Gericht,

Wo man den weise nennt, der Schelmereyen übt,
Und der gehasset wird, der strenge Ordnung liebt;

Wo man des Eides lacht, und nur zum Scherz ihn leistet?
Wo Alles ungestraft zu stehlen sich erdreistet,

Der Staat ohn' innern Wert, und der nur glänzt von außen?
Mein Freund, was räthst du lang? kennst du denn nicht Schaffhausen?


Lesen Sie dazu den vollständigen historischen Nachweis ( vgl. Doc )


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